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16. Juni 2017: Abenteuer mit Anna

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Vorhergesagter Wind aus West mit 4 Beaufort lockte Anna und Michael nach der Schule und der Arbeit sogar an einem Freitag Nachmittag auf den See. Schnell waren wir in Embrach vorbei gefahren, packten und belegte Brote und Getränke ein, nahmen den Bootsschlüssel und den Accu mit und machten uns auf den Weg nach Staad.

Abenteuer 1

Um den möglichen Freitagstau in Pfungen zu vermeiden wählte Michael den Weg über Oberembrach. Dort war jedoch dieses Wochenende gesperrt. Also schnell noch auf das Strässli zum Paradies abgebogen und was war das: Oben versperrte ein Wohnmobil die schmale Strasse, es stauten sich alle Autos von beiden Richtungen, weil kaum jemand weit genug rechts fahren konnte, um am Anderen vorbei zu kommen.

Zum Glück löste sich dieses Chaos nach einigen Minuten Wartezeit dann auf und wir konnten problemlos Richtung Autobahn fahren. Ein Zeitverlust von 10 Minuten war zu verschmerzen.

Abenteuer 2

Google Maps zeigte dann noch den Stau in Wülflingen. Um den zu umfahren wählten wir die andere vermeintliche Auffahrt in der Nähe von Neftenbach. Doch diese gab es nicht und die Strasse führte nur über die Autobahn hinweg. Doch das wa nicht schlimm. Wenig Kilometer weiter führte uns die Strasse dann doch direkt auf die richtige Autobahn in Richtung St. Gallen. Wir hatten diesmal keine Zeit verloren.

Abenteuer 3

Bald hatten wir die Hälfte der Strecke zurückgelegt, als es vor Münchwilen auf der Autobahn zu einem Stau kam. Es ging kaum noch vorwärts. Die Verkehrsinformation zeigte dann nach einigen Minuten Stillstand einen Unfall in der Nähe der Raststätte Turauen an.

Auch Google Maps zeigte über 10 km Stillstand an. Im Radio sprachen sie von 40 Minuten Zeitverlust. An der nächsten Ausfahrt lotste Anna den Fahrer dann ab, wir fuhren durch Wil und dann mitten durch den Turgau. Die Strassenschilder zeigten „25 km bis Konstanz“, also nicht ganz die richtige Richtung. Aber Anna hatte das schon gut gemacht, irgendwann in der Nähe des Bodensees führten die Strässchen dann in Richtung Osten und wir wurden durch kleine schöne Dörfer im Niemandsland bis Arbon geführt. Dies umfuhren wir über die Schnellstrasse und wählten dann vor der Autobahnausfahrt den direkten Weg durch Rorschach, der auch relativ leer war. Um diese Uhrzeit auch zu erwarten.

Insgesamt hat Michael von der Maag bis zum Boot mit Umweg über die KZU, Embrach, Paradiesli, Neftenbach und den gesamten Turgau nur 2 Stunden und 30 Minuten gebraucht. Trost gab uns nur der stete, kräftige Wind in den Bäumen, der den Sharan von hinten in Richtung Osten blies.

Um 19 Uhr kamen wir schliesslich im Hafen an. Dort war es wie erwartet schon relativ leer. Einige deutsche Gastlieger hatten sich schon im Hafen eingeladen. Es war ja schliesslich am Donnerstag ein Feiertag in Deutschland und heute machten viele einen Brückentag. Ideal zum Segeln.

Schnell machten wir das Boot parat zum Segeln. Vorschriftsmässig. Wir kontrollierten sogar, ob die Fock sich komplett ausrollen liess. Und waren dann bald mit dem Dino in der Hafenausfahrt. Dort blies frischer Wind mit 3 Beaufort und die schnell ausgerollte Fock zog uns schon in der Hafenausfahrt mit voller Kraft hinaus.  Das fäng ja gut an.

Abenteuer 4

Beim Hissen des Gross hatte Anna nicht aufgepasst und das Fall um dem Mast gewickelt. Wir merkten es erst, als das Segeln oben nicht weiter ging. Doch obwohl der Wind kräftig blies und das Boot auf den Wellen schaukelte schaffte Anna es schnell, das Gross wieder einzuholen und das Fall zu richten. Bald stand auch das Grosssegel und wir konnten den Motor aufholen.

Abenteuer 5

Nun hatten wir Zeit zum Segeln . Bei stabilen 4 Windstärken aus West pflügte der Dino mit Höchstgeschwindigkeit durch die Wellen. Alles war perfekt. Die Sonne wurde immer wieder durch leichte Schleierwolken verdeckt, aber es war noch 25 Grad warm, der Wind war stark genug. Nur die Wellen hatten sich den ganzen Tag über aufgebaut und schaukelten uns und den Dino manchmal richtig durch. Einige Male spritze es beim Eintauchen des Bugs in die Wellen über das ganze Deck. So schön kann ein richtiges Segelabenteuer sein.

Wir trimmten alles flach uns auf starken Wind, um die Krängung zu reduzieren. Draussen vor Lindau waren hunderte weisser Segel zu sehen. Anscheinend war dort eine grössere Veranstaltung im Gange.

Nach einigen Seemeilen wendeten wir durch den Wind in Richtung Rorschach und führen wieder in Richtung Ufer.

Abenteuer 6

Wir segelten stabil, es hatte hohe Wellen aber optimalen Wind. Der  Dino segelte immer nahe an der Rumpfgeschwindigkeit. Anna übernahm die Pinne und Michael versuchte, sich etwas zu entspannen. Abendsegeln pur. Und plötzlich liess der Wind nach. Wie aus dem Nichts. Wir vermuteten als Ursache entweder die übliche Abendflaute oder die Landabdeckung von Arbon. Plötzlich war alles wieder gemütlich, 4 Knoten fahrt, weniger Wellen. Schon sehr spannend, wie schnell sich die Verhältnisse ändern konnten. Wir hatten nicht das Gefühl, dass wir so nah am Land waren, aber es musste so sein.

Nach  der Wende zurück auf den See bestätigte sich unsere Vermutung. Schon bald nahm der Wind wieder zu und wir segelten weiter wie vorher mit Rumpfgeschwindigkeit.  Fast digitale Verhältnisse.

Abenteuer 7

Auf Steuerbord segelnd gab es dann nach einiger Zeit plötzlich einen Knall und die Unterwant auf der Backbordseite sprang aus dem Mast. Wir hatten sie wohl beim Setzen des Mastes nicht korrekt montiert und unter diesen Verhältnissen hatte sie sich in den schaukelnden Wellen nun gelöst. Der Mast wurde nur noch von der Oberwant gehalten und bog sich unter der hohen Windlast nach Steuerbord durch. Konnte er brechen. Aber er hielt und stand immer noch. Instintiv liess Michael das Gross ausfieren und wir machten einen Aufschiesser in den Wind. Würden wir wenden, würde der Mast ja von 2 Wanten gehalten. Also durch den Wind, die Fock stehen lassen, Pinne nach Backbord und zunächst mal in den Beilieger.

Puh! Schreck lass nach.

Der Dino stabilisierte sich in den Wellen. Das Gross flatterte nach Lee im Wind. Die Fock und die dagegen stehende Pinne stablisierten den Kurs und wir lagen erst einmal in Ruhe auf dem See und konnte überlegen, was zu tun war. Die intakten Steuerbordwanten hielten der Mast, dieser hatte sich jedoch verbogen wie eine Banane. Würde er halten? Was konnte passieren? Wie kommen wir wieder bei diesen Verhältnissen in den Hafen? Reicht der Torqueedo und der Accu für die Rückfahrt bei diesen  Wellen?

Michael entschied, das wir zunächst einmal langsam zurück segeln sollten. Wir holten die Fock über, das Boot nahm schlagartig Fahrt auf. Mit halbem Wind und relativ weit gefiertem Gross fuhren wir zurück in Richtung Rorschach. Das leicht flatternde Gross stabilisierte das Boot wie beim Beilieger, die Fock zog gut und schnell in Richtung Ufer. Nur die hohen Wellen liessen das Boot immer wieder deutlich schwanken. Wir schaukelten teilweise über die Wellen, die von schräg hinten einliefen. Aber es war ein sicherer Kurs, die Steuerbordwanten (vor allem die obere, weil der Mast ja in der Mitte durchgebogen war) übernahmen die Last und wir fuhren relativ stabil zurück.

In unserer Nähe tauchten mehrere grosse Rennkatamarane auf, die mit ihren dunkelgrauen Segeln über die Wellen flitzten. Müssen die Spass haben bei diesen Verhältnissen. Sie wurden jeweils durch ein grosses, schnelles Schlauchboot begleitet. Training für eine Regatta oder eine Regatte selber.

Der Himmel verfärbte sich immer mehr in Sonnenuntergangsfarben

Abenteuer 8

Irgendwann sollte der Wind ja nachlassen. In der Landabdeckung. Doch wann kam die endlich. Auch die Wellen sollten kleiner werden, das Schaukeln nachlassen. Wir hatte das Gefühl, das der Wind sogar etwas in Richtung NordWest gedreht hatte. Also hielten wir den sicheren Kurs und näherten uns immer mehr dem Ufer. Und dann endlich, 500 m vor dem Ufer liessen Wind und Wellen wieder digital nach. Wir liessen den Motor zu Wasser, fuhren in den  Wind, rollten die Fock auf und bargen das Gross, in dem wir den Baum einfach in das Cockpit legten und das Segel in den Niedergang stopften. So war es einfach und schnell versorgt.

Der Mast stand immer noch – gebogen wie eine Banane – und wir schaukelten in den Wellen. Diese rollten über den ganzen See und waren auch hier in Ufernähe noch gut zu spüren.

Wir drehten das Boot in Richtung Hörnlibuck und fuhren unter Motor mit 3 Knoten zurück an der Küste entlang.

Abenteuer 9

Die Fock rollten wir auf der Steuerbordseite leicht wieder aus, so dass sie zum Vortrieb beitrug aber das Boot auch stabilisierte. Zusammen mit dem Rest der Fock und dem Motor als leichte Unterstützung ritten wir auf den unter uns durchrollenden Wellen zurück nach Osten. Der Sonnenuntergang hinter uns war atemberaubend. Die leichten Schleierwolken verfärbten sich in allen Gelb-, Orange- und Rottönen. Die Häus von Rorschach leuteten in diesem wunderbaren Abendlicht. Und wir schaukelten stark von Backbord nach Steuerbord durch die Wellen. Es konnte zwar nichts passieren, der Dino schwamm ja sicher und wir hatten den richtigen Kurs.  Die Reichweite vom Accu war mehr als genug. Aber das Schaukeln war wirklich anstrengend. Michael hielt sich am Bootsrand und der Pinne fest, um nicht immer hin und her geworfen zu werden. Wir versuchten und zu entspannen, assen die mitgebrachte Schnitte und versuchten uns zu entspannen. Anna legte sich nach vorne auf den Bug in die Abensonne und machte Foto um Foto. Es war einfach zu schön hier draussen.

Nach einer halben Stunde hatten wir dann unseren Hafen erreicht. Wir bargen die Fock komplett und fuhren – einen letzten Blick in den bereit beendeten Sonnenuntergang werfend – hinein in den Hafen. In der Boxengasse hatte es sogar noch so viel Wind, dass Anna den Motor erneut starten musste und wir zum Schluss deutlich in unsere Box hineingedrück wurden. Aber wir hatten die Ruhe weg und haben das Anlegen lehrbuchhaft gemeistert.

Schnell vertäuten wir den  Dino und Anna ging ans Ufer um weitere Bilder von diesem phantastischen Abendhimmel zu machen.

Michael räumte inzwischen das Boot auf. Innen hatte es alles durcheinander geworfen. Das Gross wurde aus der Nut im Baum geschoben und neben das Auto gelegt. Der Baum auf die Baumstütze, der Motor demontiert und verräumt, der Accu eingepackt, die Schoten aufgerollt und das Log ausgeschaltet und eingepackt. Alle unsere Taschen ins Auto gelegt und die Fender montiert. Als Anna zurück war, holten wir noch die Genua ein und trugen sie auf den Parkpatz. Die Persenning legten  wir ins Boot, schlossen alles ab und gingen zum Auto. Nicht ohne noch weitere Fotos der Masten vor dem Abendhimmel zu machen.

Auf dem Parkplatz falteten wir die Segel, packten alles in den Kofferraum und verliessen um 22 Uhr den Parkplatz in Richtung Embrach.

Ein Tag mit vielen Abenteuern ging zu Ende.

Wir haben schön gesegelt, Glück gehabt, dass uns nichts passiert ist, haben die Stimmung genossen und einen wunderschönen – wenn auch abenteuerreichen – Sommerabend verbracht.

Morgen müssen wir schauen, was mit dem Mast passiert ist. Lässt er sich ohne Richten wieder setzen? Wohl kaum. Wie kann er repariert werden? Alles dies können wir in Ruhe am Samstag klären.

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